Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch

Warum KI unsere Wirtschaft schon bis 2025 massiv verändern könnte

Mensch und Maschine (Quelle: Pixabay, Geralt)

Ladenschluss. Endlich Feierabend. Die Mitarbeiterinnen in der Alzeyer Filiale der Modekette Adler packen ihre Sachen, ziehen ihre Jacken an und begeben sich auf den Heimweg. „Tschüss Tory, viel Spaß beim Scannen“, ruft die Letzte noch in den Verkaufsraum, bevor sie die Tür abschließt.

Wenn seine „Kolleginnen“ den wohlverdienten Feierabend antreten, setzt sich der Service-Roboter Tory selbständig in Bewegung und bahnt sich seinen Pfad durch die Kleiderständer. Per „Radio-Frequency Identification“, kurz RFID, liest er die Tags der Waren aus. Selbst schmale Gänge und Hindernisse sind kein Problem für den seit 2019 in rund 40 Adler-Filialen aktiven Roboter. Ausgestattet mit Sensoren und einer Navigationssoftware bewegt er sich mühelos durch den Raum und sendet die erfassten Daten per WLAN in das firmeneigene Warenwirtschaftssystem. Hier können die Mitarbeiterinnen am nächsten Tag ablesen, welche Ware für die Kundschaft wo verfügbar ist und bei Fehlbeständen nachbestellen. Nach getaner Arbeit zieht sich Tory eigenständig auf seine Ladestation zurück, um dort geduldig auf seinen nächsten Einsatz zu warten. Tag für Tag, ohne je müde zu werden oder gar krank.

Für seine „Kolleginnen“ entfällt dank Tory eine lästige Aufgabe: die Stichtagsinventur. Der Roboter erledigt sie genauer und schneller als ein Mensch. Zusätzliche Dienstleister für diese Tätigkeit sind nicht mehr nötig, und die Mitarbeiterinnen im Verkauf haben mehr Zeit für ihre Kunden und Kundinnen.

Riesige Datenmengen und schnelle Rechenleistung

Was noch vor wenigen Jahren als Zukunftsutopie abgetan worden wäre, ist in zahlreichen Branchen längst Realität. Künstliche Intelligenz erledigt zuverlässig und unermüdlich Aufgaben in Produktion, Verkauf und Dienstleistung. Und die Häufigkeit, mit der solche Systeme zum Einsatz kommen, nimmt zu. Die enorme Rechenleistung, zu der Computer heute fähig sind, erlaubt es ihnen, riesige Datenmengen in kurzer Zeit zu verarbeiten, Muster zu erkennen, zu interpretieren, Schlussfolgerungen abzuleiten. Ganz zu schweigen von ihrer Fähigkeit, selbst dazuzulernen.

Riesige Datenmengen machen KI-Anwendungen erst möglich (Quelle: Pixabay, Geralt)

Es sind diese beiden Faktoren, die KI zur Schlüsseltechnologie und zum unangefochtenen Erfolgstreiber für die Wirtschaft in den kommenden Jahren machen: eine unvorstellbar große Menge an Daten, die in schwindelerregendem Tempo immer weiter ansteigt und die exponentiell wachsende Rechenleistung von Computern, die die von KI-Anwendungen benötigte Verarbeitungsgeschwindigkeit ermöglicht.

KI-Lösungen in allen Branchen

Ob autonomes Fahren, intelligentes Gebäude, Smart Factory, Pflegeroboter oder Apps, die blinden und sehbehinderten Menschen ihre Umgebung beschreiben – die Anwendungsgebiete sind universell.

Dabei reden wir nicht von Visionen, die in 50 Jahren eventuell Realität werden könnten. Nein, sie sind es bereits, und schon in den nächsten fünf Jahren werden sich die Möglichkeiten in einem so rasanten Tempo vervielfachen, dass kein einziger Bereich unserer Wirtschaft davon „verschont“ bleibt.

Roboterarm in der Fertigung (Quelle: Pixabay, Jarmoluk)

KI-Anwendungen in der maschinellen Fertigung, die schon heute überdurchschnittlich von Prozessautomatisierungen durchdrungen ist, werden weiter zunehmen. Doch auch in der Kundenbetreuung, der Buchhaltung sowie im Personalwesen werden mehr und mehr KI-Anwendungen Routine-Aufgaben übernehmen und effizient erledigen. In der Folge bleibt für die Menschen im Betrieb mehr Zeit für Denkarbeit und komplexe Projekte. So die Theorie.

Jobverlust und neue Möglichkeiten

In nahezu jedem Bereich werden durch KI aber auch Jobs verlorengehen, während neue entstehen, die andere Fertigkeiten erfordern. Auch Tory wird vermutlich nicht auf seinem „Wissensstand“ bleiben, sondern sich weiterentwickeln. Schließlich wird er vielleicht selbst die Kunden und Kundinnen durch das Modehaus führen und anhand von Gesichts- und Körperscannern Kleidungsstücke in der passenden Größe und Farbe heraussuchen. Tory wird die modebewusste Frau oder den stilbewussten Mann zur Kabine begleiten, ihm oder ihr vorbehaltlos, aber höflich rückmelden, ob die Bluse oder das Sakko passt. Geduldig wird er so lange weitere Kleidungsstücke zur Kabine und zurück bringen, bis Kundin oder Kunde zufrieden und um einige Euros erleichtert das Modehaus verlässt.

Wer weiß, vielleicht hält Tory der Dame oder dem Herrn anschließend die Türe auf und bietet an, jetzt einen Tisch beim Lieblingsitaliener in der Innenstadt von Alzey zu reservieren. Denn die neue Errungenschaft in der umweltfreundlichen Tüte aus Bambusfaser gilt es gebührend zu feiern. Verkäuferinnen? Fehlanzeige. Ersetzt durch Tory(s).

Junge Menschen vorbereiten

Solche Szenarien machen vielen Menschen Angst, und zwar quer durch alle sozialen Schichten. Denn vermutlich werden nicht nur schlecht bezahlte Arbeitsplätze und einfache Tätigkeiten betroffen sein. Eine Künstliche Intelligenz, die aufgrund einer riesigen Datenbasis Muster erkennt und ständig selbst dazulernt, kann mehr als Routineaufgaben erledigen. Berufe, in denen Vorhersagen, Diagnosen und Analysen eine Rolle spielen, wie zum Beispiel bei Finanzanalysten, Rechtsanwälten oder Radiologen, könnten ebenfalls bedroht sein.

Digitalisierung und KI gehören auf den Lehrplan (Quelle: Pixabay, Steveriot1)

Eines ist daher jetzt schon klar: Es ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit, junge Menschen auf die neue Arbeitswelt vorzubereiten. Denn KI-Fachkräfte sind derzeit noch rar gesät. Gleichzeitig sind weder Lehrkräfte noch Lehrpläne von Schulen auf die rasante Entwicklung ausgerichtet, die unsere Wirtschaft und unser gesamtes Leben vermutlich schon in wenigen Jahren tiefgreifend verändert haben wird.

Vorreiter werden gewinnen

Aber vielleicht geht am Ende dann doch nicht alles ganz so schnell: Zwar sieht die Bundesregierung im Rahmen ihrer KI-Strategie bis 2025 eine finanzielle Förderung in Höhe von drei Milliarden Euro für Ausbau und Entwicklung von KI-gesteuerten Prozessen und KI-Forschung vor. Gleichzeitig offenbaren aber verschiedene Untersuchungen ernüchternde Erkenntnisse hinsichtlich der Umsetzung in den Unternehmen.

Digitale Wertschöpfung und KI stecken in Deutschland noch in den Kinderschuhen.

pwc

So kommt etwa die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (pwc) in einer Studie zu dem Schluss, dass die „digitale Wertschöpfung und KI in Deutschland wirklich noch in den Kinderschuhen stecken“1. Ganze 17 Prozent der für die Studie aus dem Jahr 2019 befragten Unternehmen gaben an, KI-Lösungen zu planen oder bereits zu testen. Nur vier Prozent hatte KI-Lösungen schon im Einsatz, während zwei Prozent gerade dabei waren, KI-Systeme auf den Weg zu bringen. Immerhin 28 Prozent erachteten KI als relevantes Thema, konkret geplant hatten sie jedoch nichts.

Einen besseren Zeitpunkt als jetzt, sich mit Automatisierung, Digitaler Transformation und KI zu beschäftigen, wird es also nie wieder geben. Die Vorreiter werden mit Sicherheit zu den Gewinnern gehören, während alle, die sich jetzt zögerlich zeigen oder dem Fortschritt gar verweigern, es schwer haben werden, ihren Rückstand aufzuholen.

1) PricewaterhouseCoopers GmbH: Künstliche Intelligenz in Unternehmen. Eine Befragung von 500 Entscheidern deutscher Unternehmen zum Status quo – mit Bewertungen und Handlungsoptionen von PwC. Frankfurt/M., Februar 2019.

Autor: Textberaterin

Online-Redakteurin B.A., Expertin und Beraterin für Online-Kommunikation und Content-Marketing. Journalistin. Schöne Texte für Web und Print: Corporate Blog, Newsletter, Pressemitteilungen, Broschüren, E‐Books, White Paper, Unternehmenspublikationen; Testimonials/Porträts u.v.m.

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