Bindestrich – wohin damit?

So verwendet man den Bindestrich bei englischen Begriffen in deutschen Texten

Der Bindestrich ist offensichtlich aus der Mode gekommen. Leider! Dabei besteht auch nach der Rechtschreibreform – die gerne mal herangezogen wird, um der eigenen Orthografie-Schwäche eine

Content Marketing oder Content-Marketing?

Legitimierung zu geben – bei zusammengesetzten Begriffen (so genannte Komposita) quasi ein Bindestrich-Zwang. Darüber hinaus gibt es aber wirklich gute Gründe, dem Strich, der heute fast nur noch als „Minus“ bezeichnet wird, mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Das Deutsche hat nicht nur klare Regeln dafür, wann man einen Bindestrich generell benutzt und wann nicht, sondern auch dafür, wie man ihn bei fremdsprachlichen, zusammengesetzten Begriffen korrekt einsetzt.Bindestrich Regel 42 DUDEN

Content und Marketing – der Bindestrich entscheidet

Kürzlich habe ich mir ein E-Book zum Thema Content-Marketing durchgelesen. Inhaltlich hat mir dieses kostenlose E-Book einen großen Nutzen gebracht, denn ich weiß jetzt (theoretisch), wie man eine Content-Marketing-Strategie entwickelt, Besucher und Leads generiert und warum Recherche und Planung für ein effektives Content-Marketing unerlässlich sind. So weit, so gut.

Was mir an dem Text so gar nicht gefallen hat, waren die unzähligen Fehler in Sachen Bindestrich-Verwendung. Was bitte? Bindestriche? Als gäbe es sonst keine Probleme. Doch, die gibt es natürlich, aber es ist ein Unterschied, ob ich mit Content Marketing mache (Marketing mit Content also) oder ob ich mit Content-Marketing im Marketing erfolgreich bin. Unterschied verstanden?

Bindestrich auch bei englischen und englisch-deutschen Komposita

Da mir das immer wieder in Texten auffällt, und nun sogar bei einem Anbieter, der mit guten (!), aber augenscheinlich orthografisch nicht korrekten Inhalten eigentlich sein Geld verdient, habe ich mir – einmal abgesehen von meinem Plädoyer für den Bindestrich im Allgemeinen – angesehen, wie man zusammengesetzte englische bzw. englisch-deutsche Begriffe korrekt schreibt und wann man dabei einen Bindestrich verwendet.

Bindestrich für zusammengesetzte Fremdwörter

Denn auch wenn Anglizismen so gut in die deutsche Sprache integriert sind, dass man es oft gar nicht mehr wahrnimmt, scheint immer noch die Ansicht vorzuherrschen, dass man englische Begriffe auch wie im Englischen schreiben muss – nämlich ohne Bindestrich. Und genau dem ist nicht so.

Der Verzicht auf Bindestriche stört den Lesefluss.

Ein Blick in den Duden (gibt’s auch online) würde reichen, um herauszufinden, dass auch die letzte Rechtschreibreform den Bindestrich keinesfalls abgeschafft hat. Und auch wenn es sich in manchen Fällen etwas kompliziert anhört, kann das noch lange nicht entschuldigen, dass so mancher Text-Produzent Bindestriche konsequent für überbewertet hält. Der Verzicht darauf führt jedenfalls oft zu einem gestörten Lesefluss – was mich persönlich ziemlich fuchst und den Autor in einem schlechten Licht dastehen lässt, auch wenn der Inhalt noch so gut ist.

In Regel 41 – Zusammengesetzte Fremdwörter– heißt es im Duden:
„1. Zusammengesetzte Fremdwörter werden zusammengeschrieben. Besteht die Zusammensetzung aus Substantiven, kann zur besseren Lesbarkeit ein Bindestrich gesetzt werden.“

Dankenswerterweise gibt es auch gleich ein paar Beispiele dazu:

  • Desktoppublishing (auch: Desktop-Publishing)
  • Airconditioning (auch: Air-Conditioning)
  • Sciencefiction (auch: Science-Fiction)
  • Midlifecrisis (auch: Midlife-Crisis)

Das „kann“ in der Regel heißt also keinesfalls, dass man den Bindestrich auch weglassen kann. Vielmehr bedeutet es: Man schreibt diese Wörter zusammen in einem Wort und kann für eine bessere Lesbarkeit einen Bindestrich setzen. Also: entweder zusammenschreiben oder mit Bindestrich, alles andere ist Unsinn. Für die meisten Fälle würde diese Regel reichen, nach der es übrigens korrekt „Contentmarketing“ oder mit Bindestrich „Content-Marketing“ heißen muss, aber niemals „Content Marketing“.

Bindestrich oder nicht: Zusammengesetze Wörter, die nicht alle Substantive sind

Doch alle Fälle sind damit nicht abgedeckt, denn wie verhält es sich zum Beispiel mit englischen Begriffen, in denen NICHT alle Wörter Substantive sind?

Dazu gibt der Duden wie folgt Auskunft:

„2. Ist der erste Bestandteil ein Adjektiv, kann zusammengeschrieben werden, wenn die gemeinsame Hauptbetonung auf dem ersten Bestandteil liegt. Andernfalls gilt in Anlehnung an die Herkunftssprache nur Getrenntschreibung.“

Aha! Hier gilt möglicherweise die Herkunftssprache. Man muss sich bei solchen Wörtern bewusst machen, wo die Betonung liegt, schon ist die Sache klar. Oder? Na ja, so halb. Aber ganz sicher ist in diesen Fällen: Es wird ohne Bindestrich geschrieben. Ein paar Beispiele aus dem Duden können indes auch hier nichts schaden:

  • Longdrink oder Long Drink
  • Hotspot oder Hot Spot
  • ABER: High Fidelity, Electronic Banking, Top Ten

Bindestrich bei Substantivierungen aus Verb und Partikel

So, jetzt dürfte aber alles klar sein, oder etwa nicht? Nein, es gibt da noch immer Klärungsbedarf, und dieses Mal kommt auch wieder der Bindestrich zum Einsatz. Es geht um zusammengesetzte Wörter aus dem Englischen, bei denen ein Begriff ein Verb und ein Begriff ein Adverb ist. Hier ist der dritte Teil der Regel – natürlich wieder mit hilfreichen Beispielen:

„3. Bei Substantivierungen aus dem Englischen, die auf eine Verbindung aus Verb und Partikel (Adverb) zurückgehen, setzt man gewöhnlich einen Bindestrich; daneben ist auch Zusammenschreibung möglich.“

  • Black-out (auch: Blackout)
  • Count-down (auch: Countdown)
  • Kick-off (auch: Kickoff)
  • Aber besser nur: Check-in, Make-up

Bindestrich bei zusammengesetzten Begriffen mit mehr als zwei Wörtern

Jetzt ist die Sache mit dem Bindestrich aber durch. Nicht wahr? Nun ja, nicht ganz, es wird nochmal spannend. Denn besonders schlimm finde ich, wenn ganze Wortgruppen, die eigentlich mit Bindestrichen verbunden sein müssten, einzeln hintereinanderstehen, ohne dass erkenntlich wäre, dass sie gemeinsam einen Begriff verkörpern. Hier muss ich einen Satz oft zweimal lesen, um zu verstehen, was da zusammengehört und was nicht. Zum Glück gibt es auch hierzu eine Regel im Duden, die sich der Sache annimmt, und zwar die Regel 42, wo es heißt:

„Aneinanderreihungen und Zusammensetzungen mit Wortgruppen schreibt man mit Bindestrich.“

Insbesondere ist das interessant bei Zusammensetzungen aus englischen und deutschen Begriffen. Und dazu habe ich selbst ein paar Beispiele:

  • Content-Marketing-Studie
  • Online-PR-und-Marketing-Experte
  • Marketing-Know-how-Datenbank
  • What-you-see-is-what-you-get-Programm

Bei Unsicherheiten in der Orthografie lohnt sich ein Blick in den Duden – nicht nur beim Bindestrich.

Mein Fazit: Keinesfalls darf man sich bei der Verwendung von englischen Begriffen in deutschen Texten (wie sie nun einmal an der Tagesordnung sind) von der irrigen Annahme leiten lassen, dass es schon richtig ist, wenn man diese, wie im Englischen auch, getrennt, also ohne Bindestrich, schreibt. Es gibt Regeln, und bei Unsicherheiten in der Schreibweise sollte man sowieso öfter mal den Duden bemühen. Wenn es um Bindestriche geht, lohnt sich das erst recht, denn fehlende Bindestriche stören den Lesefluss und sind oft sinnentstellend. Und für Content-Marketing-Spezialisten sollte eine korrekte Schreibweise ohnehin selbstverständlich sein.

Der DUDEN-Newsletter hat dem Bindestrich einen Artikel gewidmet: „Von „C-Dur“ bis „Tortilla-Füllung“ – der Gebrauch des Bindestrichs“, und eine wunderbare Kolumne zum Thema („Deppenleerzeichen“) hat Jochen Bittner für die ZEIT geschrieben. Lesenswert!